"Möchten tue ich schon, aber..." Bis auf wenige echte Stillhindernisse (Lactoseunverträglichkeit, die Notwendigkeit, bestimmte, für das Kind absolut kontraindizierte Medikamente einzunehmen, offene Tb, u.U. AIDS-Erkrankung, Geisteskrankheiten oder andere schwere Erkrankungen, die die Mutter so sehr schwächen, dass sie nicht mit dem Kind umgehen kann) kann jedes Kind, wenn die Mutter es möchte, auch gestillt werden. Damit dieses Zusammenspiel besser klappt, versuche ich, mit diesem Merkblatt viele Tipps mit auf den Weg zu geben.
Stillen ist ein einzigartiger Vorgang
- Muttermilch ist optimal den Wachstumsbedürfnissen und den heranreifenden Funktionen der Verdauung, des Stoffwechsels und der Ausscheidung des Säuglings angepasst
- Es vermindert die Häufigkeit und Schwere von Infektionskrankheiten und Allergien bei Säuglingen.
- Immer dabei, in richtiger Menge und Temperatur, steril, schnell und praktisch, billig.
- Förderung der Mutter-Kind-Bindung.
- Stillen formt den Unterkiefer und schützt vor Zahnfehlstellungen.
- Stillen beugt der Überernährung des Kindes vor
- Stillen beschleunigt die Rückbildung der Gebärmutter
Stillvorbereitung
Abhärtung der Brust und Brustwarzen mit kaltem Wasser abbrausen, mit einem rauen Handtuch abtrocknen und die Kleidung, ohne BH, auf der Brustwarze reiben lassen, Luft, Sonnenbäder. Bei Flach- oder Hohlwarzen Brustschild täglich langsam steigend von 2x30 Min. bis zu 8 Std. tägl. in den Büstenhalter oder Niplette möglichst früh in der SS 2-3 Wochen lang möglichst Tag und Nacht tragen.
Der Beginn und die erste Zeit
Das erste Anlegen sollte noch im Kreissaal stattfinden, am besten noch in der ersten Lebensstunde (Saugreflex beim Baby 20-30 Min nach der Geburt am stärksten), damit die Kinder die wertvolle Vormilch erhalten. In der Menge nicht wiegbar, aber von den Nährstoffen ausreichend. Stillen fördert auch die Ablösung der Plazenta nach der Geburt. Bitte die Kinder auch in der ersten Nacht bringen lassen, häufiges Stillen erhöht die Milchproduktion. Sowenig wie möglich zufüttern lassen, am besten geeignet ist Tee. Nicht durch das Vorher- und hinterher wiegen unter Druck setzen lassen.
Die "richtige" Milch wird sich erst nach dem Milcheinschuss (3.-6. Tag) einstellen. Die Brustdrüsen schwellen an und bereiten sich auf ihre Arbeit vor. Diese Zeit kann sehr unangenehm sein. Damit die Milch gut fließt, vorher Wärme und hinterher Kühlen. Evtl. einen Quarkwickel machen. Darauf achten, die Kinder nicht immer in der gleichen Position anlegen, damit die Brustwarzen nicht immer auf der gleichen Stelle beansprucht wird. Nach Möglichkeit 3l Flüssigkeit trinken. Am besten Tee, Milchbildungstee, aber kein Pfefferminz- oder Salbeitee (abstillend). Zwei Wochen bis sich die Milchmenge reguliert hat und vier Wochen bis sich ein Rhythmus eingestellt hat. Anfangs die Kinder auf jeder Seite 10 Min. anlegen, dann immer nach Bedarf stillen, soviel und solange sie möchten, jedoch Stillabstände nicht unter 2 Std., da sich sonst halbverdaute und unverdaute Milch mischen -->Bauchschmerzen.
Die Brust ist kein Schnullerersatz. Nicht immer ist der Bedarf gleich, mal brauchen sie mehr, bei Wachstumsschüben, mal weniger, dann kann gut auf Vorrat abgepumpt werden. Sechs Monate voll stillen, dann erst mit dem Zufüttern beginnen.
Noch einige Tipps
Bitte immer Quark zu Hause haben, um einer beginnenden Brustentzündung rechtzeitig vorzubeugen. Bei 40°C Fieber kann weitergestillt werden. Dazu unbedingt Bettruhe einhalten. Frau möchte doch mal ohne Kind weg oder es steht ein wichtiger Termin an: MM ist 12 Std. im Kühlschrank und 3 Monate im Tiefkühlfach haltbar! Nur vorher ausprobieren, ob das Kind auch aus der Flasche trinkt. Deshalb sollte vielleicht auch eine Handpumpe vorhanden sein. Beim Essen bitte daran denken, dass das Kind mitisst. Daher erst mal alles weglassen, was bläht. Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch und Zitrusfrüchte. Ansonsten: Guten Appetit, der Kaloriebedarf ist so hoch, wie bei jemand, der arbeiten geht.
Stilleinlagen aus Wolle und Seide oder Baumwolle sind sinnvoller als Papier-Einweg-Stilleinlagen. Luft, Sonne und trocken halten sind die besten Mittel zur Vorbeugung gegen Wundsein. Johanniskraut schon mit ins Krankenhaus mitnehmen.
Stress, Hektik und Zufüttern sind die besten Mittel zum Abstillen, daher Ruhe und Geduld, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Diese innige Zeit mit dem Kind genießen und sich von niemanden reinreden lassen. So, wie Ihr es macht, macht ihr es richtig.
Ein gutes Buch zum Nachlesen: "Das Stillbuch" von Hannah Lothrop
© 2002 Annette Schäfer